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Wofür soll das gut sein? Impressionen aus einem Entwicklungsgespräch

Veröffentlicht am 18.07.2018

Gerade kam mein Sohn Alexander von der Arbeit nach Hause. Er ist zurzeit Küchenpraktikant in einem Hotel und sollte heute ein Entwicklungsgespräch mit dem Küchenchef führen. Alle 3 Monate sieht sein Ausbildungsgang ein solches Gespräch vor. Dieses Mal delegierte der Küchenchef diese Aufgabe spontan an seinen Souschef, dem das Gesprächsformular noch nicht bekannt war. „Dann kann er sich da gleich mal reinarbeiten.“, meinte der Küchenchef noch zu meinem Sohn. Die Begeisterung des Souschefs hielt sich in Grenzen, aber nein sagen konnte er ja schlecht. Also setzte er sich mit Alexander ins Küchenbüro, um das Formular „schnell auszufüllen“. Nicht ganz das übliche Prozedere, denn erst hätten sich die beiden getrennt voneinander Gedanken zur Performance meines Sohnes machen und danach das gemeinsame Gespräch führen sollen.

Kurz nach dem Gesprächseinstieg regte sich beim Souschef erster Unmut über die unmöglichen Fragen: komische Fragestellung, zu viele detaillierte Unterfragen, zu breite Bewertungsskala usw. „Wofür soll das gut sein?“ war die wohl eher rhetorisch gemeinte Frage an meinen Sohn, der sich bereits keine großen Hoffnungen mehr auf ein brauchbares Gesprächsergebnis machte. Da das schnelle Ausfüllen nicht möglich war, blieb dem Souschef nichts anderes übrig, als zwischendurch immer mal wieder hinaus in die Küche zu gehen, um bei Dingen, die er aus dem Augenwinkel mitverfolgt hatte, kurz mal einzugreifen. Die Motivation im Gespräch erreichte den Höhepunkt, als es im Fragebogen darum ging, die sozialen Kompetenzen des Praktikanten zu beurteilen. Das wäre doch in der Küche nicht so wichtig, musste mein Sohn dazu hören. Weil er schlagfertig ist, erwiderte er: „Und genau deshalb hat die Arbeit in der Küche ein so schlechtes Image bei uns jungen Leuten.“ Schließlich war der Gesprächsbogen fertig ausgefüllt und kann nun zu den Akten gelegt werden. Einen Erkenntnisgewinn hat er weder für meinen Sohn noch für den Souschef gebracht, dafür aber Frust und Demotivation auf beiden Seiten.

Kommen Ihnen solche Gesprächsverläufe bekannt vor? Sicher sind Sie kein Einzelfall, sicher passieren sie auch in anderen Abteilungen als in der Küche und sicher gibt es Führungskräfte, die solche Entwicklungsgespräche ernst nehmen. Bearbeite ich das Thema in meinen Seminaren, höre ich oft, dass Punkte wie eine gute Gesprächsvorbereitung, ein passender Ort und wertschätzender Umgang mit dem Gesprächspartner doch selbstverständlich seien. Wirklich?

Und wie sieht es in dieser Geschichte mit einer der Hauptaufgaben der Führung, dem Delegieren, aus? Ja, das Entwicklungsgespräch mit einem Praktikanten wurde vom Küchenchef an den Souschef delegiert, aber auf welche Weise? Für mich sieht das eher nach dem Abschieben einer lästigen Pflicht aus, als nach der Übertragung von Verantwortung. „Eben mal schnell“ lassen sich Entwicklungsgespräche nicht führen. Es braucht geschulte Führungskräfte im Umgang mit solchen Führungswerkzeugen, damit sie die beabsichtigte Wirkung – die Weiterentwicklung des Mitarbeiters - erzielen können. Zu einer solchen Schulung gehört aber nicht nur das Beherrschen der Tools, sondern auch das Erkennen der eigenen Werte und Einstellungen.

Gern unterstütze ich Sie bei dieser Aufgabe!

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