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Führung braucht Aufmerksamkeit

Veröffentlicht am 08.11.2020

Seminaraufsteller Führung Seminaraufsteller Führung „Ich lasse mich als Führungskraft von einer Kultur der Aufmerksamkeit leiten, ich schaue hin!“

 

Dieser Satz eines Hotelmanagers, gesagt in einem meiner Workshops letzte Woche, klingt noch in mir nach.

Er hat sehr gut zu unserem Workshop-Thema „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ gepasst und er fällt mir seitdem immer wieder in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen ein. Für mich passt er z.B. …

-          zum erneuten Lockdown der Hotellerie und Gastronomie.

-          zur inhaltlichen Ausgestaltung eines bevorstehenden Motivationsseminars.

-          zur Ausrichtung der Unternehmenskultur im Rahmen eines Employer Branding.

 

Welche Gedanken kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie den Satz oben noch einmal lesen? 

Womöglich ist Ihnen spontan eine weitere Frage eingefallen: Wohin schaut er denn, dieser Hotelmanager? Im Zusammenhang des Workshops hat er sein Team gemeint, in welchem er sich mit den einzelnen Mitarbeitenden auseinandersetzt, sie beobachtet, mit ihnen spricht und dabei ihre Stärken wahrnimmt.

Um aufmerksam wahrnehmen zu können, was tatsächlich ist, benötigen wir einige Hilfsmittel:

1. Ein vorurteilsfreier, offener Blick trägt dazu bei, dass eine Führungskraft das Verhalten eines Mitarbeitenden zunächst beobachten kann, ohne sofort Bewertungen des Verhaltens vornehmen zu müssen. Das ist leichter gesagt als getan, denn unser Unterbewusstsein sucht sofort nach bereits gemachten Erfahrungen, an die man das Beobachtete andocken und damit eine Einordnung vornehmen kann. Dank dieser Stereotype oder Schubladen sind wir in der Lage, blitzschnell ein Label für das beobachtete Verhalten, z.B. gut - schlecht, gefällt mir – gefällt mir nicht, stimme zu – stimme nicht zu, zu vergeben. Das ist durchaus hilfreich, um mit der Komplexität unseres Lebens zurecht zu kommen, verhindert im Zusammenhang mit wertschätzender Führung jedoch, dass wir der Individualität unserer Mitarbeitenden gerecht werden. So kann z.B. das Stereotyp „Frauen sind emotional, Männer rational“ dazu führen, dass bestimmte Verhaltensweisen nur bei den Frauen bzw. nur bei den Männern im Team wahrgenommen werden. Blicken Sie also hin und wieder nach innen und räumen Sie in Ihren Schubladen auf:
• Welche Stereotype finden Sie?
• Welche benötigen eine Überprüfung?
• Welche können getrost entsorgt werden?

2. Zeit, die eine Führungskraft in eine wertschätzende Kommunikation mit ihren Mitarbeitenden investiert, ist ein weiteres wichtiges Instrument, um aufmerksam zu führen. Je besser eine Führungskraft ihre Mitarbeitenden kennenlernt, desto differenzierter wird das Bild, das sie sich von diesen machen kann. Impulse, die sich aufgrund von Stereotypen gegen andere Menschen richten und die in der Situation nicht angemessen wären, werden dadurch beherrschbarer. So kann eine Führungskraft, die häufig mit Temperamentsausbrüchen auf Fehler reagiert, diese eher unter Kontrolle bekommen, wenn ihr bewusst ist, dass ein Mitarbeiter im Team besonders sensibel darauf reagiert und sich persönlich angegriffen fühlt.

3. Für eine gute Kommunikationsfähigkeit benötigen wir nicht nur unsere Augen, sondern auch unsere Ohren. Zuhören können und echtes Interesse an dem anderen Menschen haben, das zeichnet aufmerksame Führungskräfte aus. Damit dies gelingt, brauchen wir Momente der Achtsamkeit, das heißt im Gespräch tun wir nichts anderes als miteinander zu reden und uns auf das zu konzentrieren, worüber gesprochen wird. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, stattdessen gedanklich schon beim nächsten Termin oder bei der nächsten Aufgabe zu sein? Oder schnell – während man mit dem Mitarbeiter spricht - etwas zu erledigen, z.B. kurz eine E-Mail zu beantworten. Sicher ist, dass uns bei einem solchen Verhalten wichtige Details im Gespräch entgehen, die uns später in Form von Sätzen wie „Aber das hatte ich Ihnen doch in unserem Gespräch gestern erzählt!“ wieder begegnen werden.

 

Alle drei Hilfsmittel sind geeignet, Ihren Blick zu schärfen und mit der Zeit immer aufmerksamer durch den Führungsalltag zu gehen. Ihre Mitarbeitenden werden Ihr echtes Interesse spüren und wertschätzen. Sie werden Ihnen noch mehr vertrauen und mutiger werden, sich als Individuum einzubringen. Womöglich blühen einige Ihrer Mitarbeitende regelrecht auf und überraschen Sie mit guten, eigenen Ideen. Aber auch wenn es einmal nicht so rund im Team läuft, werden Sie das viel früher bemerken und Maßnahmen zur Behebung von Problemen oder Konflikten gemeinsam mit dem Team finden und umsetzen können. Es lohnt sich also „hinzuschauen“ und in eine Kultur der Aufmerksamkeit zu investieren!

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