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Feedback annehmbar gestalten - Teil 1

Veröffentlicht am 12.07.2021

Beobachten, ohne zu bewerten

Gehört es zu Ihren Aufgaben, Teammitgliedern Feedback zu ihrem Verhalten zu geben, welches Sie und andere stört?

Kommen Sie bei diesen Feedback-Gesprächen immer wieder an einen Punkt, an dem der Feedbacknehmer nicht das hört, was Sie sagen wollen, sondern sich angegriffen fühlt und sich für sein Verhalten rechtfertigt? 

 In diesem und zwei folgenden Beiträgen, möchte ich Ihnen Anregungen dafür geben, wie Sie selbst Ihr Verhalten überprüfen und anpassen können, um in Zukunft solche Miss-Verständnisse zu vermeiden. 

„Wenn wir eine Beobachtung mit einer Bewertung vermischen, können andere leicht Kritik hören und wehren das ab, was wir sagen wollen.“

Diese Aussage stammt von Marshall B. Rosenberg und ist nachzulesen in seinem Kommunikationsklassiker „Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens“ (S. 43, 12. Auflage 2016, Junfermann Verlag). Was sich leicht liest, ist ungleich schwerer in der Umsetzung (eine Bewertung von mir, die auf Beobachtungen basiert)Wir neigen dazu, den Moment der Beobachtung sofort zu analysieren. In unserem Unterbewusstsein beantworten wir blitzschnell z.B. diese Fragen:

  • Kenne ich das, was ich beobachte oder ist es mir fremd?
  • Passt das Verhalten zu meinen Bedürfnissen, Einstellungen, Werten?
  • Gefällt mir das, was ich beobachte oder löst es in mir Abwehrreaktionen aus?
  • Welchen Maßstab lege ich an, um das Beobachtete bewerten zu können?

Die Antworten auf diese Fragen sind die Bausteine für das Feedback, welches wir der beobachteten Person, z.B. einem unserer Mitarbeitenden, geben:

  • Ihr Feierabend scheint Ihnen heilig zu sein.
  • Nie sind Sie morgens pünktlich!
  • Ich habe den Eindruck, dass Sie meine Arbeitsaufträge immer vor sich herschieben.
  • Ist Ihnen die Arbeit zu viel?

Würde es Ihnen leichtfallen, bei diesen Aussagen ein offenes Ohr, für das was noch folgt, zu haben? Bei mir würden sie wahrscheinlich dazu führen, dass ich „zumache“ und mir stattdessen überlege, wie ich die Kritik abwehren kann. Der Feedbackgeber hätte nichts erreicht und wir beide gingen womöglich mit schlechter Laune in den Feierabend. Dabei wäre es in diesem Beispiel wichtig für die Zusammenarbeit, unterschiedliche Vorstellungen und Erwartungen zu klären. Sie betreffen womöglich die Beantwortung von E-Mails außerhalb der Arbeitszeiten, die Arbeitszeiteinteilung, die Selbstorganisation und weitere Aspekte, die Sie gerne selbst ergänzen können (alle sind eine Interpretation). Damit das Feedback annehmbar ist, muss der Feedbackgeber beobachten, ohne gleichzeitig zu bewerten. Diese Beobachtung teilt er dann dem Feedbacknehmer mit.

Versuchen Sie jetzt, die vier oben genannten Sätze umzuformulieren, sodass Sie eine reine Beobachtung wiedergeben.

Mein Vorschlag lautet jeweils:

  • E-Mails, die ich Ihnen nach Feierabend schicke, beantworten Sie jedes Mal erst am nächsten Tag.
  • Ich habe Sie noch nicht Punkt 8 Uhr an Ihrem Schreibtisch gesehen.
  • Bei den letzten zwei Projekten, haben Sie Ihren Arbeitsauftrag erst am Tag vor dem Abgabetermin erledigt und wir hatten keine Gelegenheit, noch einmal darüber zu sprechen.
  • Ich bemerke, dass sie zurzeit sehr viele Aufgaben zu erledigen haben.

Was gilt es zu beherzigen, wenn wir nur eine Beobachtung mitteilen möchten?

  1. Ich muss darauf achten, ab wann das Beobachtete zu einer Interpretation wird (z.B. scheint der Feierabend heilig zu sein).
  2. Ich muss Wissen, welches ich habe, von Annahmen trennen können (z.B. wird Aufschieberitis vermutet).
  3. Ich muss den Einzelfall beobachten und Verallgemeinerungen (z.B. nie, immer) meiden.


So formuliert, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass der Feedbacknehmer sich Ihre Beobachtungen und Ihre daraus resultierenden Bewertungen anhört. Richtig gelesen! Sie dürfen Verhalten von Mitarbeitenden bewerten. Beim Feedback geben teilen Sie erst Ihre Beobachtungen mit und dann folgend Ihre Bewertungen. Wichtig für annehmbares Feedback ist, dass Sie beides deutlich voneinander trennen. Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg beim Üben! Ich mache mit ...

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